St. Antonius und Benediktus | St. Lambertus:Diakon Kurt Dohmen stellt sich vor

Wo kommen Sie her?
Ich bin 1970 in Düsseldorf geboren und in Oberbilk als fünftes und letztes Kind meiner Familie aufgewachsen. Schon als Jugendlicher war ich in der Messdiener- und Jugendarbeit engagiert. Mit 17 Jahren lernte ich die Servitinnen kennen, die damals noch in Düsseldorf-Gerresheim lebten. Die Gemeinschaft und ihre Angebote für junge Erwachsene haben mich sehr geprägt. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt.
Nach einer Ausbildung zum Chemielaboranten und dem Zivildienst studierte ich in Mainz Gemeindepastoral und Religionspädagogik. Als Gemeindereferent war ich in Hennef (Sieg) und Düsseldorf-Hassels und -Reisholz tätig, anschließend als Diakon in Wuppertal und zuletzt zehn Jahre in Solingen.
Nun kehre ich nach Düsseldorf zurück – diesmal als Diakon.
Warum sind Sie Diakon geworden?
Einen besonderen Berufungsmoment gab es bei mir nie. Schon während meines Studiums habe ich darüber nachgedacht, Diakon zu werden. Mit den Jahren ist für mich immer deutlicher geworden: Ich möchte den Menschen dienen.
Dabei bedeutet Dienen für mich vor allem: zuhören, Interesse am Leben eines Menschen haben und ihn begleiten, wenn er das möchte. Was dabei entsteht, lässt sich nicht immer planen. Ich versuche offen zu sein und meiner Intuition zu vertrauen.
Ich glaube, dass Gott in unserem Leben wirkt. Es ist mir in den vergangenen Jahren noch wichtiger geworden, Gott in allem zu entdecken und mich seiner Führung anzuvertrauen – nicht nur in besonderen religiösen Momenten, sondern gerade im ganz normalen Alltag. Manchmal entdecke ich Gottes Wirken in einer Begegnung mit einem Menschen und bin überzeugt: Diese Begegnung war kein Zufall. Manchmal ist es ein Gedanke, den ich gerade brauche. Und manchmal entsteht aus einem scheinbaren Zufall etwas, das ich als Fügung deute.
Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Ich versuche heute, weniger schnell über Menschen zu urteilen. Wenn jemand eine Meinung vertritt, die mir fremd ist, interessiert mich inzwischen weniger, ob ich diese Meinung verändern kann. Mich interessiert vielmehr: Warum denkt dieser Mensch so? Welche Erfahrungen hat er gemacht? Welche Geschichte steckt dahinter?
Ich glaube, dass jeder Mensch von Gott geschaffen und gewollt ist. Jeder Lebensweg ist wichtig, auch wenn ich oft nicht verstehe, warum das Leben für einen Menschen so und für einen anderen ganz anders verläuft.
Dazu passt meine Erfahrung mit der geistlichen Begleitung. Ich habe während der Zeit in Solingen eine Ausbildung zum geistlichen Begleiter gemacht. Sie hat meinen eigenen Glaubensweg gestärkt und ist für mich zu einer wichtigen Berufung geworden. Geistliche Begleitung bedeutet für mich, Menschen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Leben aufmerksam wahrzunehmen und darin Gottes Spuren und seine Stimme zu entdecken.
Was ist Ihnen in der Begegnung mit Menschen wichtig?
Ich bin oft zunächst eher zurückhaltend und höre erst einmal zu. Mich interessiert, was einen Menschen bewegt und was ihn geprägt hat. Ich versuche, Zusammenhänge zu sehen, bevor ich mir ein Urteil bilde. Vielleicht wirke ich deshalb manchmal zunächst etwas distanziert. Tatsächlich bin ich einfach neugierig auf den Menschen hinter seiner Meinung.
Manchmal sehe ich dabei auch, welche Menschen zusammengebracht werden könnten. Ich habe Freude daran, wenn aus solchen Verbindungen etwas Neues entsteht.
Was machen Sie, wenn Sie nicht als Diakon unterwegs sind?
Ich höre Musik, schaue Filme, fotografiere und lese Nachrichten über das Weltgeschehen. Ich kann mich für vieles begeistern und mich in eine Tätigkeit so vertiefen, dass ich dabei die Zeit vergesse.
Was trägt Sie?
Meine Familie und Freundschaften sind mir sehr wichtig. Dazu gehören meine Frau, unsere drei inzwischen erwachsenen Kinder und ihre Partner, meine Herkunftsfamilie mit meiner 90-jährigen Mutter und Freundinnen und Freunde, mit denen ich teils seit Jahrzehnten verbunden bin. Solche langjährigen Beziehungen geben meinem Leben Tiefe und Halt.
Und mich trägt mein Vertrauen auf Gott. Ich glaube, dass Gott es gut mit uns meint. Das Leben ist kostbar und die Welt ist wundervoll. Die Menschen können sehr gut sein, und vieles Gute geschieht im Verborgenen.
Das heißt nicht, dass ich die Augen vor der Wirklichkeit verschließe. Gleichzeitig sehe ich natürlich auch das, was mir und vielen anderen Sorgen macht: Faschismus, Kriege, Umweltzerstörung und die Angst, die viele Menschen angesichts der Zukunft empfinden.
Vielleicht gehört für mich deshalb auch dazu, nicht bei der Sorge stehen zu bleiben. Ich möchte mit anderen darüber nachdenken, was wir gemeinsam tun können, damit Hoffnung und Lebensfreude wieder mehr Raum bekommen.
Welche Aufgaben werden Sie in Düsseldorf übernehmen?
Zunächst werde ich die klassischen Aufgaben eines Diakons übernehmen: Taufen und Trauungen, Beerdigungen, Predigten, Schulgottesdienste sowie Andachten und andere Gottesdienste.
Darüber hinaus werde ich die Kindertagesstätten begleiten und für die Kleinkindergottesdienste zuständig sein. Ein weiterer Teil meiner Arbeit wird die Geistliche Begleitung und die Begleitung von Exerzitien im Auftrag des Erzbistums sein.
Welche weiteren Aufgaben und Schwerpunkte sich zudem entwickeln, werde ich gemeinsam mit dem Pfarrer und dem Pastoralteam herausfinden. Ich möchte erst einmal die Menschen, die Gemeinden und ihre Bedürfnisse kennenlernen und dann gemeinsam schauen, wo ich meine Fähigkeiten und Erfahrungen gut einbringen kann.